Du hast entschieden, dass eine Agentur dein Amazon-Geschäft unterstützen soll – aber wie läuft das konkret ab? Viele Marken unterschätzen, dass der Erfolg einer Zusammenarbeit stark davon abhängt, wie professionell der Prozess von Auswahl über Vertrag bis Onboarding gestaltet ist. Dieser praktische Leitfaden führt dich Schritt für Schritt durch das Engagement einer Amazon-Agentur.
Schritt 1: Bedarf und Ziele klären
Bevor du Agenturen ansprichst, definiere intern, was du brauchst. Welche Bereiche willst du auslagern (PPC, Listing, Creative, Account-Management, Strategie)? Was sind deine konkreten Ziele (Umsatzwachstum, bessere Profitabilität, Markenaufbau, Entlastung)? Und welches Budget steht zur Verfügung? Je klarer dein Bedarf, desto besser kannst du Agenturen vergleichen – und desto leichter erkennst du, wer wirklich passt.
Schritt 2: Kandidaten finden und vergleichen
Erstelle eine Auswahlliste anhand der Kriterien, die zählen: nachweisbare Ergebnisse in deiner Kategorie und Größenordnung, passender Leistungsumfang, Transparenz und Reputation. Sprich mehrere Kandidaten an, statt dich auf den ersten zu verlassen. Ein strukturierter Vergleich – idealerweise mit denselben Fragen an alle – macht Unterschiede sichtbar.
Schritt 3: Das Auswahlgespräch
Im Gespräch trennt sich Substanz von Verkaufsrhetorik. Frage konkret: Wer betreut mein Konto tatsächlich? Wie sehen Reports aus? An welchen Kennzahlen messt ihr Erfolg? Was passiert bei Unterperformance? Wie ist die Vertragslaufzeit? Achte nicht nur auf die Antworten, sondern auch auf die Art der Kommunikation – sie ist ein Vorgeschmack auf die spätere Zusammenarbeit.
Schritt 4: Vertrag und Konditionen
Bevor du unterschreibst, kläre die wichtigen Punkte schriftlich: Leistungsumfang, Preismodell (Festgebühr, prozentual, erfolgsbasiert), Laufzeit und Kündigungsfristen, Reporting-Rhythmus – und besonders wichtig: Eigentum an Konto, Daten, Kampagnen und Creative-Assets. Stelle sicher, dass du bei Vertragsende vollen Zugriff behältst. Vermeide überlange Bindungen ohne Ausstiegsmöglichkeit. Bei größeren Verträgen lohnt sich rechtliche Prüfung.
Schritt 5: Onboarding vorbereiten
Ein gutes Onboarding entscheidet über den Start. Die Agentur braucht Zugänge (möglichst über die offiziellen Berechtigungssysteme statt deiner Passwörter), Hintergrundwissen zu Marke, Produkten, Zielgruppe und bisherigen Aktivitäten sowie klare Ziele. Je mehr Kontext du lieferst, desto schneller wird die Agentur produktiv. Plane eine strukturierte Übergabe statt eines holprigen Kaltstarts.
Schritt 6: Erwartungen und Zusammenarbeit festlegen
Kläre zu Beginn, wie ihr zusammenarbeitet: Wie oft gibt es Reports und Calls? Wer ist auf beiden Seiten Ansprechpartner? Welche Entscheidungen trifft die Agentur allein, welche stimmt sie ab? Welche Ziele gelten für die erste Phase? Diese Klarheit verhindert spätere Missverständnisse und legt die Basis für eine echte Partnerschaft.
Schritt 7: Die erste Phase bewerten
Gib der Zusammenarbeit eine realistische Anlaufzeit – Ergebnisse brauchen meist einige Monate, besonders wenn das Konto erst aufgeräumt werden muss. Bewerte dann anhand der vereinbarten Ziele: Stimmt die Richtung? Ist die Kommunikation gut? Werden Fortschritte sichtbar? So erkennst du früh, ob die Partnerschaft trägt – ohne nach zwei Wochen ungeduldig zu werden oder nach einem Jahr blind weiterzumachen.
Praxis: Onboarding mit einem 30-Tage-Ergebnis
So setzt ihr es um:
- Vereinbart konkrete Arbeitsergebnisse und Freigaben für die erste Phase.
- Teilt Kontozugänge über Rollen, nicht über das Hauptpasswort. Klärt vorab Rechte an Kampagnen, Daten und Creative-Dateien für die gesamte Zusammenarbeit.
Die ersten 90 Tage: Welche Ergebnisse auf dem Tisch liegen sollten
Ein Ablaufplan macht eine Agenturleistung vergleichbar. Die konkreten Fristen hängen von Datenzugang, Produktzahl und anstehenden Saisons ab; die Arbeitsergebnisse sollten dennoch vor dem Start vereinbart sein.
| Zeitraum | Arbeit | Prüffähiges Ergebnis |
|---|---|---|
| Tage 1–30 | Konto, Sortiment und Werbedaten aufnehmen; Deckungsbeiträge, Bestände, Feed-Probleme und Rechte klären | Priorisierte ASIN-Liste, Baseline je SKU, offene Datenpunkte und ein Maßnahmenplan mit Verantwortlichen |
| Tage 31–60 | Listing- und Angebotsprobleme der Prioritäts-SKUs beheben; Kampagnen nach Suchaufgabe und Marge ordnen | Änderungsprotokoll, saubere Kampagnenstruktur, gestartete Tests und ein Vergleich zur Baseline |
| Tage 61–90 | Ergebnisse der Änderungen auswerten, Budget und Bestand auf belastbare Gewinner ausrichten | Business Review mit Ergebnis, Kosten, Unsicherheit und Quartalsplan |
Das ist keine Zusage, dass ein neues Listing nach 30 Tagen einen bestimmten Umsatz erreicht. Es ist eine Zusage, welche Entscheidung nach 30 Tagen möglich wird. Die Business Reports liefern Sitzungen und Conversion; Search Query Performance hilft, Suchanfragen von bloßer Anzeigenreichweite zu trennen. Ein Agenturreport sollte erklären, welche Datenbasis jeweils verwendet wurde.
Wer darf was ändern?
Gebt Zugriff über benannte Rollen und dokumentiert den Zweck. Kontoinhaber, Zahlungs- und Steuerdaten bleiben unter Kontrolle der Marke. Die Agentur erhält die Rechte, die für ihre Arbeit erforderlich sind. Legt außerdem schriftlich fest, wer Budgetgrenzen ändern, Preise setzen, Listings veröffentlichen, neue Marktplätze eröffnen und Kundenkommunikation führen darf. Besonders bei großen Katalogen sind Freigabeschwellen wichtiger als eine pauschale Aussage „die Agentur betreut alles“.
Wöchentlicher Betrieb nach dem Start
Haltet eine kurze, wiederholbare Reihenfolge ein: zuerst kritische Account- und Bestandsfälle, dann Abweichungen nach SKU und Query, danach laufende Tests und offene Entscheidungen. Monatlich folgt ein Margenabgleich inklusive Gebühren und Retouren. Quartalsweise werden Katalogprioritäten, Werbeinvestition und kreative Arbeit neu gewichtet. Entscheidend ist, welcher Owner bis wann welchen Punkt löst.
Listing und PPC brauchen einen gemeinsamen Änderungsplan. Wenn eine wichtige Detailseite gerade überarbeitet wird, markiert das Datum in der Anzeigenanalyse; sonst deutet das Team den CVR-Sprung womöglich als Wirkung eines neuen Gebots. Prüft mit einer passenden Vergleichsperiode und dokumentiert gleichzeitig geänderte Preise oder Bestände. Mehr dazu in Content-Experimente auf Amazon.
Die drei Fragen vor Vertragsabschluss
- Was genau enthält euer Ergebnis nach 30 Tagen, und welche Rohdaten bekommen wir dazu?
- Welche Aufgaben erfolgen wöchentlich, welche werden nur auf Anfrage oder zusätzlich abgerechnet?
- Wie erhalten wir Kampagnenstruktur, Creative-Dateien, Keyword-Arbeit und Entscheidungsprotokolle bei einer Trennung?
Wenn ihr euren aktuellen Stand entlang dieser drei Fragen prüfen wollt, besprecht mit uns Account-Management und Onboarding in einem Kennenlerngespräch. Wir legen zuerst die Prioritäten des Kontos offen und benennen die nötigen Daten und Freigaben.
Fazit
Ein gutes Mandat ist nach 90 Tagen anhand von Baseline, Änderungen und wirtschaftlicher Wirkung nachvollziehbar. Vereinbart deshalb Ergebnisse, Rechte und Entscheidungswege vor Vertragsbeginn. So kann die Agentur handeln und die Marke behält die Kontrolle über Konto, Kapital und Sortiment.




