Ein IPI-Wert fällt, obwohl eure Bestseller gut laufen. Die Ursache kann eine einzige saisonale ASIN mit acht Monaten Bestand oder eine nicht kaufbare Variante mit 120 Einheiten sein. Der Score ist ein Kontosignal für Bestandsnutzung, aber die operative Entscheidung fällt pro SKU: korrigieren, abverkaufen, umlagern oder den nächsten Einkauf ändern. Prüft daneben immer den tatsächlichen Kapazitätsmonitor; der IPI allein ist keine Platzgarantie.
Was der IPI-Score ist
IPI steht für Inventory Performance Index und wird auf einer Skala von 0 bis 1.000 angegeben. Er beschreibt die Lagerbestandseffizienz berechtigter FBA-Konten. Neue Konten haben nicht zwingend sofort einen Score.
Der IPI ist ein Faktor der FBA-Kapazitätsplanung. Ein hoher Wert garantiert keine unbegrenzte Lagerfläche. Beachtet zusätzlich die im Kapazitätsmonitor ausgewiesenen Limits, bereits belegten Platz, geplante Anlieferungen und den jeweiligen Lagertyp. Amazon erklärt das monatliche Kapazitätssystem.
Die vier Faktoren, die den Score treiben
Der IPI setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen. Das Dashboard zeigt vier nützliche Einfluss- und Diagnosebereiche; deren exakte Gewichtung veröffentlicht Amazon nicht:
- Überbestand (Excess Inventory): Zu viel Ware im Verhältnis zur Verkaufsgeschwindigkeit drückt den Score. Kapital, das in liegender Ware gebunden ist, ist aus Amazons Sicht ineffizient genutzter Platz.
- Sell-Through-Rate (Abverkaufsrate): Wie viele Einheiten du im Verhältnis zum durchschnittlichen Lagerbestand über einen Zeitraum verkaufst. Hohe Drehung = guter Score.
- Hängende Bestände (Stranded Inventory): Ware, die im Lager liegt, aber wegen eines Listing-Problems nicht verkäuflich ist (z. B. deaktiviertes Angebot). Solche Bestände ziehen den Score nach unten.
- Verfügbarkeit (In-Stock Rate): Wie zuverlässig deine gut laufenden Produkte verfügbar sind. Ausverkäufe gefährden Umsatz und Verfügbarkeit. Die In-Stock-Rate ist ein wichtiger Diagnosewert, aber kein einfacher direkter Abzug pro Stockout vom IPI.
Warum der Score fällt
Typische Ursachen sind unausgewogene Bestellmengen (zu viel auf einmal eingekauft), saisonale Ware, die nach der Saison liegen bleibt, vergessene hängende Bestände durch Listing-Fehler und Produkte, die schlicht nicht laufen, aber Platz belegen. Oft ist es eine Kombination: Ein paar langsame ASINs mit hohem Bestand und ein, zwei stranded Listings reichen, um den Score spürbar zu drücken.
So verbesserst du den IPI-Score
Der Score reagiert nicht über Nacht. Beginnt mit den Problemen, die ohne zusätzliche Nachfrage sofort lösbar sind, und trennt sie von strukturellem Überbestand:
- Überbestand abbauen: Prüft den Beitrag einer Preisaktion gegen Lagerkosten und Abverkaufswahrscheinlichkeit. Kleinere, häufigere Nachschübe können helfen, wenn Transport, Mindestmengen und Lieferzeit das zulassen.
- Hängende Bestände sofort beheben: Prüft Angebotsstatus, Produktdaten, Berechtigungen und erforderliche Nachweise. Nicht jeder Fall lässt sich mit wenigen Klicks lösen; dokumentiert Ursache, verantwortliche Person und gebundenes Kapital.
- Verfügbarkeit sichern: Stelle für deine Topseller eine zuverlässige Nachschubplanung auf, damit sie nicht ausverkaufen.
- Abverkauf steigern: Verbessere Listings und Werbung deiner Bestandsprodukte, damit sich vorhandene Ware schneller dreht.
- Totes Inventar entfernen: Was sich dauerhaft nicht verkauft, solltest du liquidieren oder zurückholen, statt weiter Lagerkosten und IPI-Abzug zu zahlen.
Geduld und Routine
Der IPI ist kein Wert, den man einmal repariert. Er ist eine fortlaufende Disziplin: regelmäßig Bestände prüfen, hängende Einheiten beheben, Nachschub maßvoll planen. Mache daraus eine wöchentliche oder zweiwöchentliche Routine, dann gerätst du gar nicht erst in die Nähe der kritischen Schwelle.
Praxis: Erst nicht verkäufliche Ware lösen
So setzt ihr es um:
- Führt eine Liste aus ASIN, Einheiten, Einstandswert, Ursache und verantwortlicher Person.
- Priorisiert nach gebundenem Kapital und Lösbarkeit. Betrachtet den Kapazitätsmonitor zusätzlich zum IPI; eine Scoreverbesserung ist keine sofortige Zusage für mehr Platz.
Vier Ursachen mit unterschiedlicher Gegenmaßnahme
Saisonware nach dem Peak: Ein Winterartikel liegt im Frühjahr im FBA-Lager. Prüft, ob ein Rabatt den Beitrag nach Werbung und Lagerung noch verbessert oder ob ein Rückholauftrag wirtschaftlicher ist. Eine Aktion nur für den Score kann zusätzlichen Verlust erzeugen.
Fehlgeschlagener Launch: Eine neue ASIN dreht deutlich langsamer als geplant. Bevor ihr Werbung aufdreht, prüft Produktfit, Kategorie, Preis und Kaufbarkeit. Wenn die Nachfragehypothese nicht trägt, stoppt zusätzliche Einlieferungen. Der Launch-Leitfaden trennt Test und Skalierung.
Stranded Inventory: Bestand ist physisch vorhanden, aber nicht verkäuflich. Ein deaktiviertes Angebot, fehlende Produktinformation oder eine fehlerhafte Variantenbeziehung kann die Ursache sein. Sichert die genaue Fehlermeldung und ordnet den Fall Katalogpflege oder Compliance zu.
Zu große Nachbestellung: Die Forecast-Menge lag über dem tatsächlichen Absatz. Korrigiert Mindestmengen, Wiederbestellpunkt und den Anteil, den ihr direkt zu FBA schickt. Eine externe Pufferfläche kann sinnvoll sein, wenn ihre Kosten und Nachlieferzeit passen.
30, 60 und 90 Tage als Arbeitsfolge
In den ersten Tagen listet ihr alle nicht verkäuflichen Einheiten mit Grund und Wert. Prüft für jede überalterte SKU die realistische Nachfrage bis zum nächsten Gebührenstichtag und entscheidet, ob Abverkauf, Entfernung oder längere Lagerung den höheren Beitrag bringt. In den folgenden Wochen werden Nachbestellmengen, FBA-Anteil und Werbeplanung neu kalibriert. Danach vergleicht ihr Score, Abverkauf und tatsächlich verfügbare Kapazität mit der Ausgangslage. Ein starres Versprechen „IPI steigt in 30 Tagen um 100 Punkte“ wäre unseriös; Amazon berechnet den Wert aus einem längeren Verlauf.
Score und Kapazität auseinanderhalten
Amazon kann Schwellen, Lagertypen und Kapazitätsregeln ändern. Prüft die für euer Konto ausgewiesene IPI-Bewertung und die tatsächlichen Monatslimits. Bereits belegtes Volumen, offene Sendungen und geplante Peak-Ware beanspruchen Kapazität. Ein verbesserter Score öffnet nicht zwingend sofort den Platz, den ein neuer Launch benötigt. Planen müsst ihr aus verfügbarem Raum, Einlieferungszeit und bestätigtem Bedarf. FBA-Kalkulation und Q4-Planung helfen bei den Kosten und Terminen.
Häufige Fragen
Welcher IPI-Wert ist nötig? Maßgeblich ist die im Konto und für den jeweiligen Zeitpunkt angezeigte Schwelle. Übertragt keine historische US-Zahl ungeprüft auf euer europäisches Konto.
Steigt der Score direkt nach einer Bestandsentfernung? Nicht zwingend. Die Bewertung verarbeitet einen Verlauf; prüft parallel die tatsächlich freigewordene Kapazität.
Sollten wir langsame Produkte immer rabattieren? Nur wenn der Beitrag nach Rabatt, Werbung und Lagerung besser ist als die Alternativen. Bei dauerhaft fehlender Nachfrage kann Entfernen sinnvoller sein.
Nächster Schritt
Unsere FBA- und Inventory-Betreuung priorisiert Bestand nach Kaufbarkeit, Kapital und Kapazität. Zeigt uns euren Kapazitätsmonitor und die zehn größten Bestandspositionen; wir leiten daraus die nächsten Entscheidungen ab.




