Marktbezug: Walmart Marketplace ist vor allem für den US-Markt relevant. Für den deutschen und europäischen Markt sind als zweite Kanäle eher Kaufland.de, OTTO, eBay, bol.com (NL/BE), Cdiscount (FR) oder Allegro (PL) sowie die verschiedenen europäischen Amazon-Marktplätze (DE, FR, NL, ES, IT) interessant. Die folgenden Prinzipien gelten sinngemäß für jeden zweiten Verkaufskanal.

Wer auf Amazon erfolgreich ist, stößt früher oder später auf eine strategische Frage: Wie reduziere ich die Abhängigkeit von einer einzigen Plattform? Eine der naheliegendsten Antworten ist Walmart Marketplace – der schnell wachsende Online-Marktplatz des größten Einzelhändlers der USA. Für viele Amazon-Verkäufer ist er der logische zweite Kanal. Dieser Beitrag beleuchtet Chancen, Unterschiede und für wen sich der Schritt lohnt.

Warum ein zweiter Kanal sinnvoll ist

Die Abhängigkeit von Amazon ist eines der größten Risiken im E-Commerce: Regeländerungen, Gebührenerhöhungen oder eine Kontosperre können das ganze Geschäft treffen. Ein zweiter Verkaufskanal streut dieses Risiko, erschließt neue Kunden und erhöht – wie im Kapitel zur Geschäftsbewertung beschrieben – sogar den Unternehmenswert, weil Diversifikation das Risiko senkt. Walmart bietet sich an, weil die Mechanik einem Amazon-Verkäufer vertraut ist.

Die wichtigsten Unterschiede zu Amazon

Trotz Ähnlichkeiten gibt es relevante Unterschiede:

  • Weniger Wettbewerb (noch): Der Marktplatz ist jünger und in vielen Kategorien weniger gesättigt – eine Chance für frühe Anbieter.
  • Andere Kundschaft: Walmart-Kunden sind oft stärker preisorientiert; das beeinflusst Positionierung und Preisgestaltung.
  • Fulfillment: Walmart bietet mit „Walmart Fulfillment Services" (WFS) ein FBA-ähnliches Logistikprogramm als Alternative zum Eigenversand.
  • Zugang: Der Marktplatz hat eigene Aufnahmekriterien und legt Wert auf Verkäuferqualität.
  • Preisparität: Walmart achtet stark darauf, dass deine Preise wettbewerbsfähig sind – ein höherer Preis als anderswo kann zum Problem werden.

Die Chancen

Der größte Reiz ist das geringere Konkurrenzniveau in Verbindung mit hoher Reichweite. Wer früh präsent ist, kann sich in Kategorien etablieren, bevor sie so umkämpft sind wie auf Amazon. Dazu kommt die Risikostreuung und der Zugang zu einer teils anderen Kundengruppe. Für Produkte, die auf Amazon bereits funktionieren, ist Walmart oft eine vergleichsweise unkomplizierte Erweiterung.

Die Herausforderungen

Ein zweiter Kanal ist kein Selbstläufer. Du musst Listings anpassen, Bestände über mehrere Kanäle steuern (Gefahr von Überverkauf), die preisbewusstere Kundschaft bedienen und die Plattform-Eigenheiten lernen. Der Traffic ist (noch) geringer als auf Amazon, sodass Geduld nötig ist. Und der operative Mehraufwand für ein weiteres Konto, weitere Werbung und weiteres Inventarmanagement ist real.

Für wen sich der Schritt lohnt

Walmart Marketplace passt besonders zu Verkäufern, die auf Amazon bereits stabil laufen, ihre Prozesse im Griff haben und Kapazität für einen zweiten Kanal mitbringen. Produkte mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis und breiter Zielgruppe eignen sich besonders. Wer dagegen auf Amazon noch ums Überleben kämpft oder operativ am Limit ist, sollte zuerst dort Stabilität schaffen, bevor er expandiert.

Der richtige Zeitpunkt

Expansion ist eine Frage des Timings. Der ideale Moment ist, wenn dein Amazon-Geschäft stabil und profitabel läuft, deine Lieferkette zuverlässig ist und du Bestände sicher über mehrere Kanäle steuern kannst. Starte am besten mit einer ausgewählten Zahl bewährter Produkte, sammle Erfahrung und skaliere dann – statt sofort dein ganzes Sortiment zu übertragen.

Fazit

Walmart Marketplace ist für etablierte Amazon-Verkäufer ein naheliegender und oft lohnender zweiter Kanal: weniger Wettbewerb, neue Kunden und vor allem geringere Plattformabhängigkeit. Die Herausforderungen – preisbewusste Kundschaft, Multichannel-Bestandsmanagement, Preisparität und operativer Mehraufwand – sind beherrschbar, verlangen aber Vorbereitung. Wer auf Amazon stabil aufgestellt ist und mit ausgewählten Produkten startet, kann mit Walmart sein Risiko streuen und neue Wachstumsquellen erschließen.